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Freitag, 18. Mai 2012
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Freitag, 18. Mai 2012
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Verleihung der Auszeichnung "Schule ohne Rassismus", Dienstag, 11.7.2000 (Rede des Schulleiters)

"Mehr als sieben Millionen Ausländer leben in Deutschland. Sie haben unsere Gesellschaft in den vergangenen Jahren verändert. Doch wir denken zu wenig darüber nach, was das für das Zusammenleben in unserem Land insgesamt bedeutet. Und wir handeln zuwenig danach.

Wie wir miteinander leben, das ist eines der wichtigsten Themen überhaupt, wenn wir an die Zukunft unserer Gesellschaft denken.
Wir müssen uns mit diesem Thema beschäftigen,

  • weil es alle in unserem Land betrifft, auch wenn manche es bisher noch nicht gemerkt haben,
  • weil es in manchen Punkten bis an den Kern unserer Verfassungsordnung und unserer Verfassungswirklichkeit reicht,
  • weil Abwarten die Probleme, die es gibt, nicht löst, sondern größer macht,
  • weil es letztlich darum geht, ob wir gemeinsam an einer guten Zukunft für alle arbeiten können."

Dies war ein Zitat. Es stammt aus der Berliner Rede unseres Bundespräsidenten "Ohne Angst und ohne Träumereien: Gemeinsam in Deutschland leben", die er am 12. Mai diesen Jahres im Haus der Kulturen der Welt in Berlin hielt.

Gestatten Sie mir, weiter zu zitieren:

"Das Zusammenleben ist auch schwierig und es ist anstrengend. Wer das leugnet oder nicht wahrhaben will, ist mit allen Appellen zu mehr Toleranz, Freundlichkeit und Aufnahmebereitschaft unglaubwürdig.

Wir brauchen eine neue, gemeinsame Anstrengung für das Zusammenleben in unserem Lande. Wir müssen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens und des politischen und staatlichen Handelns umdenken."

Noch ein drittes Zitat sei mir erlaubt:

"Bildung und nochmals Bildung - das ist die grundlegende Voraussetzung für jede Integration. Integration muss ein zentraler Bestandteil jeder Bildungspolitik werden."

Sehr geehrte Frau Ani, Frau Regierungspräsidentin Kruse, Frau Winkler, Herr Blasche-Hesse, liebe Schülerinnen und Schüler des Abendgymnasiums Hannover, liebe Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte Sie herzlich begrüßen zu unserer kleinen Feierstunde im Rahmen unseres diesjährigen Schulfestes zum Schuljahres-Abschluss.

Das Abendgymnasium Hannover ist nicht der Nabel der Welt, aber wo liegt der schon. Unser Schulalltag ist auch nicht gekennzeichnet durch offenen Rassismus, durch Ausländerfeindlichkeit oder durch gewaltsame Konflikte. Dennoch gehören auch wir einer Gesellschaft und einer Lebenswirklichkeit an, in der wir  leider bislang nicht verhindern konnten und wohl auch nicht so leicht verhindern können, dass ein Mensch zu Tode gehetzt oder geprügelt wird, nur weil dumpfen Gehirnen die Hautfarbe nicht gefällt, in der wir uns damit auseinander setzen müssen, dass eine Frau meint eine Allergie zu bekommen, wenn sie neben einem dunkelhäutigen Menschen steht.

Und: selbstverständlich lernen auch an unserer Schule Menschen, die aus eigenem Erleben wissen, was Diskriminierung und Gewalt bedeuten (in welcher Form auch immer; verbale Entgleisungen hinterlassen ebenfalls Verletzungen). So empfinden die Angehörigen des Abendgymnasiums Hannover es als Verpflichtung, im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gegen jede Form von Rassismus zu wirken, nicht nur zu schweigen, in dem Bewusstsein, "uns betrifft das ja alles nicht". Wir wollen die Verpflichtung ernst nehmen, alle Formen und Äußerungen rassistischer und diskriminierender Art zu vermeiden und zu verhindern. Hier an unserer Schule, aber auch darüber hinaus: Jeden Tag, als Daueraufgabe, als eine Folge kleiner, aber wichtiger Schritte.

Wir wollen nicht nur Empörung äußern, sondern gemeinsam überlegen, wie wir handeln können, wenn wir mit Rassismus im Alltag konfrontiert werden.

Die Bewegung "Schule ohne Rassismus" ist und bleibt eine Jugendbewegung; als Schule für berufstätige Erwachsene befinden wir uns sicherlich in einer Sonderrolle. Zu den Zielen der internationalen Initiative „Schule ohne Rassismus“ identifizieren wir uns jedoch ohne Einschränkung. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle, dass unser Projekt ein Projekt unserer Schülerinnen und Schüler ist. Bedanken möchte ich mich deshalb bei allen dabei beteiligten, insbesondere natürlich bei den Damen und Herren unseres Schülerrates, stellvertretend vor allem bei Frau Cigdem unserer letztjährigen Schulsprecherin, aber auch bei der Kollegin Endewardt, die als Vertrauenslehrerin die unverzichtbare Ansprechpartnerin war und sozusagen der Garant des Projektes über die alljährlichen Wechsel innerhalb der Schülerschaft hinaus war und sein wird.

Dank schulden wir auch Frau Ani, die sich bereit erklärt hat, als Schirmfrau unseres Projektes zu wirken; wir danken weiterhin Frau Winkler, der zuständigen Koordinatorin der Landeszentrale für politische Bildung für Ihre intensive Unterstützung des Projektes, und Frau Regierungspräsidentin Kruse, die durch Ihre Anwesenheit die Wertschätzung der Bezirksregierung für dieses Projekt (und auch für unser kleines Gymnasium) zum Ausdruck bringt.

Ich darf Ihnen, liebe Anwesende, die Grüße des Präsidenten des Niedersächsischen Landtages, Herrn Prof. Wernstedt, der Kultusministerin, Frau Jürgens-Pieper, und der Ausländer-beauftragten des Landes Niedersachsen, Frau Erpenbeck, übermitteln.

Damit eröffne ich diese kleine Feierstunde.

Hannover KollegHannover Kolleg


Das Hannover-Kolleg ist eine allgemeinbildende staatliche Schule für Erwachsene im Zweiten Bildungsweg. Sie wendet sich an Erwachsene mit abgeschlossener Berufsausbildung oder mindestens dreijähriger Berufstätigkeit, die einen höheren Schulabschluss und die Erweiterung ihrer Allgemeinbildung anstreben.

www.hannover-kolleg.de

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